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Der Neue Pavillon (Schinkel-Pavillon)


Das Gebäude wurde 1824/ 25 von Karl Friedrich Schinkel als Sommerpavillon für König Friedrich Wilhelm III. und seine zweite Ehefrau Auguste errichtet. Der Baumeister erledigte diesen Auftrag in Windeseile (die Bauzeit betrug nur knapp zwei Jahre), während er hauptsächlich mit der Planung und Vollendung des Königlichen Museums (heute Altes Museum) in Berlin beschäftigt war.


Der Pavillon ist eine Nachschöpfung der Villa Chiatamone bei Neapel, in welcher der König während seiner Italienreise 1822 wohnte. Inspiriert von Goethes „Italienischer Reise“ (einem „Bestseller“ der damaligen Zeit) hatte Friedrich Wilhelm III. dort begeistert mediterranes Lebensgefühl genossen. Schinkel schuf mit dem kleinen Bau einen präzisen Ausdruck dieses Empfindens. Er verbindet klassizistische Strenge mit italienischer Eleganz; eine weiße Villa mit Balkon, umgeben von Bäumen und mit Blick auf das Wasser. Hier sieht man ein „preußisches Arkadien“, eine Ideallandschaft, in dem die Spree den Golf von Neapel und der Schlosspark einen Pinienhain ersetzen muss.


Die Villa befindet sich vor dem Eingang zur eigentlichen Parkanlage (der von zwei Engelsfiguren auf hohen Sockeln westlich des Pavillons markiert wird) und ist leicht verschränkt zur Fluchtlinie des Schlossgebäudes positioniert, so dass eine Distanz zum übrigen Schloss-Ensemble angedeutet wird. Der Bau ist ein Solitär, ein privates Refugium. Hier war der König, anders als im Schloss, nicht Repräsentant, sondern einfach Mensch, ein Individuum ohne förmlichen Rang. Kein anderer Bau der Charlottenburger Schlossanlage dokumentiert so deutlich den damals modernen Lebensentwurf der Romantik. Friedrich Wilhelm III. und seine dreißig Jahre jüngere Frau Auguste haben jedoch nie in ihrer weißen Villa gewohnt. Ihr „Liebesnest“ blieb ein romantischer Traum.