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Das Carillon, der Glockenspielturm im Berliner Tiergarten


Ein Carillon ist ein großes Glockenspiel, das sich üblicherweise in einem Turm befindet. Das erste Carillon wurde 1652 in den Niederlanden errichtet, wo Glockentürme zur Zeitmessung und als Signalgeber eingesetzt wurden. Wenn eine Stadt zahlungsunfähig war, beschlagnahmte der Landesfürst zuerst den Glockenturm.


Um Carillon genannt zu werden, muss ein Glockenspiel über mindestens 23 Glocken verfügen, traditionell wird der tiefste Ton bei Carillons oft ausgelassen. Das bedeutet zwei Oktaven, die vom Spieltisch aus mit Seilzügen gespielt werden, die sich hinter einer Verkleidung befinden. Der Spieltisch selbst ist einer gewöhnlichen Kirchenorgel ähnlich. Zumeist handelt es sich um Holzstöcke, die wie Klaviertasten angeordnet sind, wobei die Abstände zwischen den einzelnen Stöcken jedoch wesentlich größer sind. Das Manual ähnelt damit zwei auf Tastaturhöhe angebrachten Basspedalmanualen (für weiße und schwarze Tasten). Der Spieltisch wird mit den Fäusten und über Fußpedale gespielt. Typisch für die Stimmung der Glocken ist, dass die Terz deutlicher als üblich mitklingt. Das kann zu Dissonanzen führen, weil die Glocken lang ausklingen und nicht gedämpft werden können. Um die Dissonanzen zu minimieren, spielt der Carillonör mit hörbar wechselnder Dynamik. Der Name Carillon bezeichnet auch Musikstücke, die für Turmglockenspiele geschrieben werden.


Etwa 800 Meter Luftlinie südlich vom jetzigen Hauptbahnhof direkt hinter dem Kanzleramt befindet sich das Berliner Carillon im großen Tiergarten. Dort stand bis in die fünfziger Jahre die Kroll-Oper. Es ist das größte Carillon seiner Art in Europa und das viertgrößte weltweit. Das Carillon verfügt über 68 Glocken, die insgesamt 48 Tonnen wiegen, damit umfasst es fünfeinhalb Oktaven. Die größte und damit tiefste Bassglocke wiegt 7,8 Tonnen, die kleinste Glocke immer noch acht Kilogramm. Das Carillon wurde 1987 zum siebenhundertundfünfzigsten Geburtstag der Stadt Berlin von der Daimler Benz AG gestiftet, die Glocken wurden in den Niederlanden gegossen. Es führt die Berliner Carillontradition der beiden im zweiten Weltkrieg zerstörten Carillons an der Parochialkirche und der Potsdamer Garnisonkirche fort. Der Klang des Carillons ist für Berlin eher ungewohnt, weshalb sich beim Hören eine besonders mystische Stimmung entfalten kann. Den besten Klang hat man je nach Windrichtung in etwa hundert Metern Entfernung, beim Bespielen vibriert der gesamte Turm. Die Glocken sind bis zum Potsdamer Platz zu hören, deshalb gibt es eine Spielzeitbeschränkung.


Von 8 Uhr bis 11 Uhr und von 13 Uhr bis 19 Uhr spielt die Automatik des Carillons ein kurzes Erkennungsmotiv und um 12 Uhr eine Erkennungsmelodie. Danach schlägt sie die Stunde von 8 Uhr bis 19 Uhr. Um 12 und 18 Uhr folgen je drei kurze Stücke.
Regelmäßige Sonntagskonzerte finden von Mai bis September um 15 Uhr statt.


Am Ostersonntag und -montag, 1. Mai, Himmelfahrt, Pfingstsonntag und –montag und 3. Oktober finden ebenfalls um 15 Uhr die Feiertagskonzerte statt. Die Konzerte zu den Adventssonntagen und den beiden Weihnachtsfeiertagen beginnen um 14 Uhr.