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Berliner Schnauze Mundart und Comedy Theater

 

Marga Bachs erste Schritte zum eigenen Theater führten sie recht bald ins Parterre der Karl-Marx-Allee 133. Dort befand sich bis zum Mai 2018 das Kabarett „Charly M“. Doch nach etwa zwölf Jahren gab dessen festes kleines Ensemble nun auf. Marga Bach hatte davon gehört und es gelang ihr, die Räume zu mieten und rasch umzubauen. Aber danach ging‘s los! Erst in der Premierenwoche im September 2018 und anschließend sechsmal pro Woche gab es Marga Bach solo oder zusammen mit ihren Partnern Norbert Schultz und Wolfram Lauenburg. Ansonsten sollen vor allem Berliner Kabarettisten ihre jeweils eigenen Programme spielen. Natürlich werden auch überregionale Künstler Gastauftritte haben.

Die Messingportale stehen weit offen und ein Schild darüber verkündet: „MundART & Comedy-Theater Berliner Schnauze“. Ein Blick zur Bar. „Komm’ Se rin, könn’ Se rauskieken“ steht am Tresen. Im, in braunrot gehaltenen Theatersaal finden sich 50 Plätze, ausgestattet mit Sitzkissen.
Der Ort ist ein Glücksfall. Nicht jans weit draußen, sondern mittenmang in der Karl-Marx-Allee 133.
Auf der Bühne wird der Berliner Dialekt niveauvoll bewahrt. Zum Vortrag kommen Chansons von Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Claire Waldorff & Co, aber auch zeitgenössische Songs und komödiantische Moderationen gehören zum Programm. Ähnliche, seit Jahren erfolgreiche Theater gibt's zwar schon, aber nun setzt Marga Bach mit großer Klappe und scharfen Sprüchen nach. Andere gehen in Ihrem Alter langsam in Rente. Sie macht ein Theater auf. Den Berliner Dialekt hat sie ja schon mit der Muttermilch aufgesogen. Schließlich war die Berliner Mundart im Alltag von Ostberlin allgegenwärtig. Wer berlinerte,war akzeptiert. Ein wenig ist dieser Gegensatz ja bis heute geblieben. „Logisch, dass sie alle berlinern können.“ Sie selbst kommt mit Norbert Schultz oder Wolfram Lauenburg „frech wie Rotz“ als Helga Hahnemann auf die Bühne. Ihre Fans lieben die „Henne“ vom „Kessel Buntes“, und tatsächlich ähnelt Marga Bach in Stimme, Körperfülle und Temperament verblüffend der einstigen DDR-Entertainerin mit der schnodderigen Berliner Schnauze. Allerdings: sie will „kein Abklatsch“ sein, und auch kein „schnulziges Zille-Milieu“ bieten, wie es manche Touristenlokale kultivieren. Zumal dies dem Werk des Berliner Zeichners und Fotografen keinesfalls gerecht wird.


Leicht wird es nicht sein, diesen Kurs zu halten. Mundart-Theatern eilt ja der Ruf voraus ins Kitschige abzugleiten, ebenso wie bei manchen der heutigen Comedians. Aber die Kleinkunst der zwanziger und dreißiger Jahre im Berliner Jargon gibt die Richtung gut vor. Namhafte Dichter, Komponisten und Interpreten haben mit ihren Chansons und waschechten kabarettistischen Texten ein eigenes intelligentes Genre geschaffen und Maßstäbe gesetzt. Ein bisschen Risiko muss sein. Jenau, det isses.

Stand 2020